Weißer Hai, Tigerhai und Bullenhai gehören zu den gefährlichsten Haien der Welt. Viele der Haiarten in diesem Beitrag habe ich beim Tauchen schon selbst erlebt und weiß, wie beeindruckend so eine Begegnung sein kann. Ich zeige dir, welche zehn Arten für uns Menschen gefährlich werden können und worauf du achten solltest, wenn du ihnen im Wasser begegnest.
🦈 Gefährliche Haie auf einen Blick
Beim Weißen Hai sind in der Artenstatistik der International Shark Attack File die meisten unprovozierten Angriffe auf Menschen dokumentiert. Danach folgen Tigerhai und Bullenhai.
Direkt zu den Haiarten:
Die gefährlichsten Haie im Vergleich
Hier kannst du die zehn Haiarten direkt miteinander vergleichen: Wo leben sie, wie groß werden sie normalerweise und wie viele der dokumentierten Bissvorfälle endeten tödlich?
| Haiart | Typische Größe¹ | Verbreitung und Lebensraum | Bestätigte unprovozierte Vorfälle² | Davon tödlich² | Einordnung für Menschen |
|---|---|---|---|---|---|
| Weißer Hai Carcharodon carcharias | ca. 3,5–5 m | Vor allem gemäßigte Meere; Küsten und offene See | 351 | 59 | Durch Größe und kräftigen Biss können Begegnungen schwere Folgen haben |
| Tigerhai Galeocerdo cuvier | ca. 3,3–4,3 m | Vor allem tropische und subtropische Meere; Küsten, Lagunen und Inseln | 142 | 39 | Häufig neugierig; gehört zu den Arten, bei denen besondere Vorsicht angebracht ist. |
| Bullenhai Carcharhinus leucas | ca. 2–3 m | Tropische und subtropische Küsten; Flussmündungen, Flüsse und manche Seen | 119 | 26 | Kann Menschen auch in sehr flachem oder trübem Wasser begegnen. |
| Weißspitzen-Hochseehai Carcharhinus longimanus | ca. 2–3 m | Tropische und subtropische Hochsee, auch im Roten Meer | 15 | 3 | Wenig scheu; kann Tauchern ausdauernd folgen und nahekommen. |
| Kurzflossen-Mako Isurus oxyrinchus | ca. 2–3 m | Gemäßigte und tropische Meere; überwiegend offene See | 10 | 1 | Kraft und Schnelligkeit machen engen Kontakt riskant, besonders beim Umgang mit gehakten Tieren. |
| Schwarzspitzenhai Carcharhinus limbatus | ca. 1,5 m | Tropische und subtropische Küsten; Buchten, Brandungszonen und Flussmündungen | 35 | 0 | Kann beim Jagen Arme oder Beine mit Beute verwechseln. Eine andere Art als der Schwarzspitzen-Riffhai. |
| Sandtigerhai Carcharias taurus | ca. 2–3 m | Warme gemäßigte und subtropische Küsten; Riffe, Buchten und Wracks | 36 | 0 | Meist ruhig und wenig aggressiv; bei Provokation sind Bisse möglich. |
| Blauhai Prionace glauca | ca. 2,5–3 m | Gemäßigte und tropische Meere; überwiegend Hochsee, auch im Mittelmeer | 13 | 4 | Oft neugierig; kann sich Tauchern besonders bei Futterreizen nähern. |
| Kupferhai Carcharhinus brachyurus | ca. 2–3 m | Gemäßigte und subtropische Meere; Küsten, Buchten und Kontinentalschelfe | 16 | 1 | Wird als potenziell gefährlich eingestuft; Bissvorfälle sind dokumentiert. |
| Grauer Riffhai Carcharhinus amblyrhynchos | ca. 1,5–2 m | Indopazifik einschließlich Rotem Meer; Korallenriffe und Riffkanten | 9 | 1 | Kann bei Bedrängung deutliches Drohverhalten zeigen und zubeißen. |
Diese 10 Haiarten können gefährlich werden
Haie aus nächster Nähe zu beobachten, gehört für mich zu den spannendsten Erlebnissen beim Tauchen. Bei den folgenden zehn Arten zeige ich dir, was sie besonders macht, wann du aufmerksam sein solltest und wie ich einige von ihnen selbst unter Wasser erlebt habe.
1. Weißer Hai (Carcharodon carcharias)
Ein kräftiger Körper, eine markante Rückenflosse und ein breites Maul voller Zähne: Der Weiße Hai gehört zu den eindrucksvollsten Raubfischen der Meere. Schon seine Größe macht deutlich, warum eine Begegnung mit ihm viel Respekt verlangt. Ein einzelner Biss kann schwere, lebensgefährliche Verletzungen verursachen.

- 📏 Größe: meist etwa 3,5 bis 5 Meter, einzelne Tiere rund 6 Meter.
- 🌍 Zu Hause: vor allem in gemäßigten Meeren, etwa vor Südafrika, Australien und Kalifornien.
- 🔎 Auffällig: dunkler Rücken, weißer Bauch und eine große, dreieckige Rückenflosse.
Weiße Haie sind sowohl an Küsten als auch weit draußen im offenen Meer unterwegs. Auf ihren Wanderungen legen sie große Strecken zurück. Zu ihrer Beute gehören Fische und Meeressäuger. Besonders rund um Robbenkolonien finden sie Nahrung. Wenn dort auch Menschen schwimmen oder surfen, können sich ihre Wege kreuzen.
Mit 351 bestätigten unprovozierten Bissvorfällen, davon 59 tödlichen, führt der Weiße Hai die veröffentlichte ISAF-Artentabelle an. Die Erklärung, er habe einen Menschen einfach mit einer Robbe verwechselt, klingt zwar schlüssig. Sie ist aber nicht für jeden Biss belegt. Über die möglichen Gründe für solche Begegnungen weiß man weniger, als viele kurze Schlagzeilen vermuten lassen.
🎥 Im Video der Atlantic White Shark Conservancy siehst du einen Weißen Hai, der 2018 vor Wellfleet direkt am Forschungsboot aus dem Wasser springt. Die Organisation beschreibt solche Begegnungen als selten.
2. Tigerhai (Galeocerdo cuvier)
Meine ersten Tigerhaie habe ich auf Fuvahmulah auf den Malediven gesehen. Die Tiere kamen uns dort teilweise sehr nah. Wenn so ein massiger Hai vor dir durchs Wasser zieht, fällt dir vor allem der breite Kopf auf. Aus der Nähe wirken diese Tiere noch einmal ganz anders als auf einem Foto.

- 📏 Größe: meist etwa 3,3 bis 4,3 Meter, große Tiere über 5 Meter.
- 🌍 Zu Hause: in tropischen und subtropischen Meeren, auch in flachen Buchten und Lagunen.
- 🔎 Auffällig: breiter Kopf und dunkle Seitenstreifen, die bei älteren Tieren verblassen können.
Die Streifen haben dem Tigerhai seinen Namen gegeben. Bei jüngeren Tieren sind sie besonders deutlich. Sein Speiseplan ist ausgesprochen vielseitig: Er frisst unter anderem Fische, Rochen und Meeresschildkröten. Weil auch Abfälle in Tigerhaimägen gefunden wurden, hat er den Spitznamen „Müllschlucker“ bekommen.
Das bedeutet aber nicht, dass er wahllos alles angreift, was ihm begegnet. Tigerhaie können sich Tauchern ruhig und neugierig nähern. In der veröffentlichten ISAF-Artentabelle steht der Tigerhai mit 142 bestätigten unprovozierten Bissvorfällen, davon 39 tödlichen, hinter dem Weißen Hai an zweiter Stelle.
Wie unsere Begegnungen abliefen, erzähle ich dir in meinem Beitrag über das Tauchen mit Tigerhaien in Fuvahmulah. Dort beschreibe ich auch die geführten Tauchgänge am Tiger Zoo, bei denen die Tiere mit Fischköpfen angelockt wurden.
3. Bullenhai (Carcharhinus leucas)
Bullenhaie habe ich an den Protea Banks in Südafrika erlebt. Die Tiere wirkten bei uns relativ entspannt und kreisten um unsere Gruppe. Ihr gedrungener Körper und der breite Kopf sehen schon ziemlich kräftig aus.

- 📏 Größe: meist etwa 2 bis 3 Meter.
- 🌍 Zu Hause: an tropischen und subtropischen Küsten, in Flussmündungen und auch in manchen Flüssen und Seen.
- 🔎 Auffällig: gedrungener Körper, kurze, abgerundete Schnauze und kleine Augen.
Für Badegäste ist vor allem sein Lebensraum wichtig. Bullenhaie kommen häufig in flachen Küstengewässern vor, also genau dort, wo Menschen schwimmen, schnorcheln oder surfen. Ein Hai muss sich deshalb nicht weit draußen im tiefen Meer aufhalten, um Menschen zu begegnen.
Besonders spannend finde ich, dass Bullenhaie längere Zeit im Süßwasser leben können. Ihr Körper passt den Salzhaushalt an das jeweilige Gewässer an. Im Nicaraguasee kommen beispielsweise Tiere vor, die über Flüsse zwischen See und Meer wechseln.
Beim Bullenhai nennt die veröffentlichte ISAF-Artentabelle 119 bestätigte unprovozierte Bissvorfälle, davon 26 tödliche.
4. Weißspitzen-Hochseehai (Carcharhinus longimanus)
Meinen ersten Weißspitzen-Hochseehai habe ich am Elphinstone Reef in Ägypten gesehen. Die langen, breiten Brustflossen und die hellen Flossenspitzen machen den Longimanus zu einer auffälligen Erscheinung im freien Wasser. Wenn du dich mit den Haien im Roten Meer beschäftigst, wirst du schnell auf diese Art stoßen.

- 📏 Größe: meist etwa 2 bis 3 Meter.
- 🌍 Zu Hause: im offenen Wasser tropischer und subtropischer Meere, auch im Roten Meer.
- 🔎 Auffällig: lange, paddelförmige Brustflossen und abgerundete Flossen mit weißen Spitzen.
Bei Longimanus bin ich besonders aufmerksam. Die Tiere können sehr neugierig sein, wiederholt näherkommen und Taucher umkreisen. Ein großer Hai, der immer wieder deine Nähe sucht, verlangt deine volle Aufmerksamkeit. Solche Begegnungen können gefährlich werden.
Auch die wenigen eindeutig zugeordneten Bissvorfälle solltest du nicht als Entwarnung verstehen. Longimanus werden unter anderem Angriffe auf Überlebende historischer Schiffs- und Flugzeugunglücke zugeschrieben, bei denen die genauen Opferzahlen unsicher sind.
Mit dem Weißspitzen-Riffhai (Triaenodon obesus) darfst du ihn nicht verwechseln. Hinter den ähnlichen Namen stecken unterschiedliche Arten.
5. Kurzflossen-Mako (Isurus oxyrinchus)
Der Kurzflossen-Mako sieht schon nach einem schnellen Jäger aus: ein schlanker Körper, eine spitze Schnauze und eine kräftige, halbmondförmige Schwanzflosse. Sein Rücken schimmert blau, während Bauch und Unterseite deutlich heller sind. Besonders auffällig sind die langen, schmalen Zähne.

- 📏 Größe: meist etwa 2 bis 3 Meter; Weibchen werden größer als Männchen.
- 🌍 Zu Hause: überwiegend im offenen Meer in gemäßigten und tropischen Regionen.
- 🔎 Auffällig: stromlinienförmiger Körper, blauer Rücken und spitze Schnauze.
Makos jagen schnelle Fische wie Thunfische und Schwertfische. Dabei können sie sogar aus dem Wasser springen. Für einen solchen Jäger sind Kraft und Tempo entscheidend. Beides macht ihn auch für Menschen potenziell gefährlich.
Unprovozierte Bisse sind selten. Bei Berichten über verletzte Menschen lohnt sich deshalb ein Blick auf die Umstände: Ein gehakter Mako, der sich gegen einen Angler wehrt, ist eine andere Situation als eine Begegnung beim Schwimmen oder Tauchen.
6. Schwarzspitzenhai (Carcharhinus limbatus)
Meine Begegnungen mit Schwarzspitzenhaien verliefen immer ohne Probleme. Die dunklen Flossenspitzen fallen bei dieser Art besonders auf. Sie kommen allerdings auch bei anderen Haien vor und reichen allein nicht aus, um einen Hai sicher zu bestimmen.

- 📏 Größe: häufig etwa 1,5 Meter, größere Tiere sind möglich.
- 🌍 Zu Hause: an tropischen und subtropischen Küsten, in Buchten und in der Brandungszone.
- 🔎 Auffällig: spitze Schnauze und dunkle Spitzen mehrerer Flossen.
Schwarzspitzenhaie jagen vor allem kleine Schwarmfische. Dabei können sie bis ins flache Wasser kommen, wo auch Menschen baden oder surfen. Es braucht also keinen Tauchgang weit draußen auf dem Meer, um dieser Art zu begegnen. Unter den dokumentierten Bissvorfällen sind auch solche mit Surfern.
Wichtig ist die Unterscheidung zum Schwarzspitzen-Riffhai (Carcharhinus melanopterus), den du vielleicht von tropischen Korallenriffen kennst. Der ähnliche Name sorgt schnell für Verwirrung, es sind aber zwei verschiedene Arten.
7. Sandtigerhai (Carcharias taurus)
Sandtigerhaie habe ich in Südafrika gesehen. Ihre langen, vorstehenden Zähne geben ihnen ein ziemlich wildes Aussehen. Das Maul wirkt schon im ruhigen Vorbeischwimmen beeindruckend. Dabei gelten Sandtigerhaie gegenüber Menschen als meist wenig aggressiv.

- 📏 Größe: meist etwa 2 bis 3 Meter.
- 🌍 Zu Hause: in warmen Küstengewässern, an Riffen, in Buchten und bei Wracks.
- 🔎 Auffällig: hervorstehende Zähne und häufig bräunliche Flecken auf dem Körper.
Eine ihrer spannendsten Fähigkeiten hat mit dem Auftrieb zu tun. Sandtigerhaie können an der Oberfläche Luft schlucken und im Magen speichern. Dadurch können sie nahezu regungslos im Wasser stehen. Rund um Wracks und Riffe lassen sie sich deshalb auch langsam durchs Wasser gleitend beobachten.
Die Zähne und die Körpergröße solltest du trotzdem ernst nehmen. Bisse sind dokumentiert, nachweisbar tödliche Fälle gibt es für diese Art aber nicht. Das Artenprofil beschreibt außerdem Zwischenfälle mit Speerfischern, die ihren Fang bei sich trugen.
Und falls du dich über den Namen wunderst: Sandtigerhai und Tigerhai sind unterschiedliche Arten.
8. Blauhai (Prionace glauca)
Der Blauhai gehört zu den besonders eleganten Erscheinungen im offenen Meer. Sein schmaler Körper, der blaue Rücken und die langen Brustflossen geben ihm eine ganz andere Silhouette als einem gedrungenen Bullenhai. Häufig wird er langsam nahe der Wasseroberfläche schwimmend beobachtet.

- 📏 Größe: meist etwa 2,5 bis 3 Meter.
- 🌍 Zu Hause: im offenen Wasser gemäßigter und tropischer Meere, auch im Mittelmeer.
- 🔎 Auffällig: blauer Rücken, heller Bauch und sehr lange, schmale Brustflossen.
Blauhaie leben überwiegend auf hoher See. Rund um Inseln, an denen das Wasser schnell tief wird, können sie aber auch näher an die Küste kommen. Sie fressen unter anderem kleinere Fische und Tintenfische.
Gegenüber Menschen gelten sie als vergleichsweise wenig aggressiv, können aber durchaus neugierig näherkommen. Besonders wenn Futter oder gefangene Fische im Wasser sind, lohnt es sich, aufmerksam zu bleiben. Auch tödliche Bisse sind dokumentiert. Sein schlankes Aussehen und eine langsame Annäherung machen den Blauhai deshalb nicht automatisch harmlos.
9. Kupferhai (Carcharhinus brachyurus)
Vielleicht ist dir dieser Hai schon unter dem Namen Bronze Whaler begegnet. Gemeint ist der Kupferhai, der auch Bronzehai genannt wird. Seinen Namen verdankt er seiner bronze- bis olivgrauen Färbung. Er ist ein großer Küstenhai, der bis in flache Buchten und die Brandungszone vordringen kann.

- 📏 Größe: meist etwa 2 bis 3 Meter.
- 🌍 Zu Hause: vor allem in gemäßigten und subtropischen Küstengewässern.
- 🔎 Auffällig: bronze- bis olivgraue Färbung; ähnliche Haiarten lassen sich oft schwer unterscheiden.
Besonders bekannt ist er vom Sardine Run vor Südafrika. Dabei ziehen große Sardinenschwärme entlang der Küste und locken zahlreiche Jäger an. Kupferhaie folgen den Schwärmen und lassen sich dort bei der Jagd beobachten.
Ihre Nahrung besteht unter anderem aus Fischen, Tintenfischen und Rochen. Weil sie auch küstennahe Gewässer nutzen, können sie Schwimmern und Tauchern begegnen. Bestätigte Bissvorfälle, darunter ein tödlicher, sind der Grund, warum der Kupferhai in dieser Übersicht auftaucht.
10. Grauer Riffhai (Carcharhinus amblyrhynchos)
Auf den Malediven habe ich schon viele Graue Riffhaie gesehen. Sie gehören zu den Haien, denen du an tropischen Korallenriffen begegnen kannst. Mit ihrem grauen Rücken und dem hellen Bauch wirken sie auf den ersten Blick recht unscheinbar. Auffällig ist vor allem der dunkle Hinterrand ihrer Schwanzflosse.

- 📏 Größe: meist etwa 1,5 bis 2 Meter.
- 🌍 Zu Hause: an Korallenriffen im Indischen und Pazifischen Ozean, auch im Roten Meer.
- 🔎 Auffällig: grauer Körper und dunkler Hinterrand der Schwanzflosse.
Graue Riffhaie können sich Tauchern neugierig nähern. Wird ein Tier bedrängt, kann sich sein Verhalten aber deutlich verändern. Es kann den Rücken krümmen und die Brustflossen absenken, die Schnauze anheben und mit auffällig übertriebenen seitlichen Bewegungen schwimmen.
Solche Warnsignale solltest du ernst nehmen. Spätestens dann ist Schluss mit dem Versuch, für ein Foto noch näher heranzukommen. Fühlt sich der Hai weiter bedrängt, kann er zubeißen. Mir ist bei solchen Begegnungen wichtiger, ihm Platz zu lassen, als unbedingt noch das perfekte Bild mitzunehmen.
Aggressive Haiarten: Warum können Haie Menschen gefährlich werden?
Wenn ein Hai droht oder zubeißt, wirkt das auf uns aggressiv. Dahinter können aber unterschiedliche Gründe stecken. Beim Tauchen schaue ich deshalb auf das Verhalten des Tieres und die Situation drumherum:
- 🛑 Bedrängen und Abwehr: Schwimmst du einem Hai hinterher, berührst ihn oder versperrst ihm den Weg, kann er sich wehren. Ein Biss kann dann eine Abwehrreaktion sein.
- 🐟 Futter und gefangene Fische: Köder, Fischabfälle oder ein mitgeführter Fang können Haie anlocken. Besonders beköderte Tauchgänge mit großen Haien können das Risiko erhöhen.
- 🦭 Mögliche Verwechslungen mit Beute: Von unten können die Umrisse eines Schwimmers oder Surfers denen einer Robbe ähneln. Untersuchungen zu jungen Weißen Haien stützen diese Erklärung für manche Bisse. Für jede Haiart und jeden Vorfall ist sie aber nicht belegt.
- 👀 Neugier und direkte Annäherungen: Ein Hai, der auf dich zuschwimmt, greift nicht automatisch an. Aus der Annäherung allein kannst du aber auch nicht schließen, dass die Begegnung harmlos bleibt.
Wie häufig sind Haiangriffe auf Menschen?
Haiangriffe auf Menschen sind selten. Für 2025 bestätigt der ISAF-Jahresbericht weltweit 65 unprovozierte Bissvorfälle, von denen neun tödlich endeten. Damit lag die Zahl der Bisse nahe am Durchschnitt der fünf vorherigen Jahre.
Die meisten dieser Vorfälle wurden in den USA und Australien registriert. Die Fallzahlen allein verraten aber nicht, wie viele Menschen dort wie lange im Meer unterwegs waren. Daraus lässt sich deshalb keine feste Angriffswahrscheinlichkeit für deinen Urlaub berechnen.
Für meine Tauchgänge sind deshalb auch die Bedingungen vor Ort und die Hinweise der lokalen Guides wichtig. Es macht einen Unterschied, ob du am Strand badest, surfst oder gezielt mit Haien tauchst. Die weltweiten Zahlen geben dir einen Überblick, ersetzen aber keine Informationen über deinen konkreten Bade- oder Tauchplatz.
Wie du dich bei einer Haibegegnung richtig verhältst
Wenn plötzlich ein Hai neben dir auftaucht, kann dir schon mal das Herz schneller schlagen. Jetzt heißt es: ruhig bleiben, das Tier beobachten und bei deiner Begleitung bleiben.
Beim Schwimmen und Schnorcheln
- 🌊 Wenig spritzen: Vermeide hektisches Strampeln und Schlagen mit den Armen. Bewege dich möglichst ruhig und gleichmäßig.
- 👀 Überblick behalten: Beobachte, wo der Hai ist, und bleib nah bei deiner Begleitung.
- 🏖️ Gemeinsam zurückziehen: Schwimmt ruhig zum Ufer oder Boot und verlasst das Wasser. Versuche, den Hai dabei weiter im Blick zu behalten.
Beim Tauchen
- 👥 Buddy und Guide aufmerksam machen: Bleibt zusammen und haltet euch an die Absprachen aus dem Briefing. Schwimm nicht allein davon und bleibt in der Gruppe.
- 🦈 Platz lassen: Halte zunächst möglichst ruhig eine aufrechte Position und beobachte den Hai. Schwimm ihm nicht hinterher und versuche nicht, ihn zu berühren.
- 🚩 Annäherungen ernst nehmen: Kommt er immer näher oder zeigt Warnsignale, ist es Zeit, den Tauchgang gemeinsam zu beenden. Warte dann nicht noch auf das perfekte Foto.
- ⬆️ Kontrolliert zurückziehen: Behalte den Hai möglichst im Blick und bleib bei deinem Buddy. Im Freiwasser könnt ihr euch Rücken an Rücken orientieren und kontrolliert zur Oberfläche und zum Boot aufsteigen. Schieße nicht panisch nach oben.
Häufige Fragen zu den gefährlichsten Haien
Gemessen an den bestätigten unprovozierten Bissvorfällen steht der Weiße Hai an erster Stelle. Danach folgen Tigerhai und Bullenhai. Wie gefährlich eine einzelne Begegnung für dich wird, lässt sich aus dieser Rangfolge allerdings nicht ablesen.
Hammerhaie habe ich beim Tauchen in Südafrika selbst gesehen. Ihr breiter Kopf macht sie unter Wasser unverwechselbar. Gefährlich werden können vor allem große Arten wie der Große Hammerhai. In der veröffentlichten ISAF-Artentabelle sind für Hammerhaie unprovozierte Bisse, aber keine tödlichen Fälle aufgeführt.
Ja, auch Riffhaie können Menschen verletzen. Allerdings verhalten sich die verschiedenen Arten unterschiedlich: Schwarzspitzen-Riffhaie gelten als wenig gefährlich für Menschen, während sich Graue Riffhaie heftig wehren können, wenn sie bedrängt werden. Einem Hai hinterherzuschwimmen oder ihn für ein Foto in die Enge zu treiben, ist deshalb auch am Riff keine gute Idee.
Ja, im Mittelmeer leben unter anderem Weiße Haie und Blauhaie. Beide können Menschen verletzen. Blauhaie halten sich überwiegend im offenen Meer auf, kommen gelegentlich aber auch näher an die Küste. Dass eine Art im Mittelmeer vorkommt, sagt allein noch nichts über dein Risiko an einem bestimmten Strand aus.
Ja. Bullenhaie halten sich auch in flachen Küstengewässern, Buchten und Flussmündungen auf. Sie vertragen zudem Süßwasser und können Flüsse hinaufschwimmen. Die Vorstellung, dass große Haie nur weit draußen im tiefen Meer unterwegs sind, stimmt also nicht.
Fazit: Die gefährlichsten Haiarten der Welt
Weißer Hai, Tigerhai und Bullenhai sind die gefährlichsten Haiarten der Welt. Beim Weißen Hai sind die meisten bestätigten unprovozierten Bissvorfälle dokumentiert. Auch Weißspitzen-Hochseehai, Kurzflossen-Mako und die übrigen vorgestellten Arten können Menschen gefährlich werden.
Die zehn Arten sind dabei nicht gleich gefährlich. Wie eine Begegnung verläuft, hängt auch vom Verhalten des Tieres und den Bedingungen im Wasser ab. Eine neugierige Annäherung bedeutet noch keinen Angriff. Kommen Futterreize hinzu oder wird ein Hai bedrängt, kann die Situation allerdings riskanter werden.
Zuletzt aktualisiert am: 17. Oktober 2026
