Tauchen in Rasdhoo war für mich kein Zufallstreffer, sondern ganz bewusst gewählt, weil das Atoll für starke Strömungstauchgänge und regelmäßige Großfischsichtungen bekannt ist. Schon beim ersten Abtauchen wird klar, warum Rasdhoo unter Tauchern so einen starken Ruf hat. Strömung, Tiefe und das Gefühl, dass jederzeit etwas Großes aus dem Blau auftauchen kann, sorgen für Spannung. Genau dieser Mix aus Herausforderung und spektakulärer Unterwasserwelt macht Rasdhoo für mich zu einem der spannendsten Tauchziele auf den Malediven.
Anreise & Leben auf Rasdhoo
Das Rasdhoo Atoll ist ein kleines, eigenständiges Atoll, etwa 60 Kilometer nordwestlich von Malé gelegen und unter Tauchern vor allem für seine offenen Channels und regelmäßigen Großfischsichtungen bekannt. Rasdhoo selbst ist eine sehr überschaubare Insel, die man in etwa 20 Minuten komplett umrunden kann. Der Alltag ist ruhig, touristisch, aber nicht überlaufen.

Es gibt nur wenige Restaurants, kulinarisch darf man hier keine Wunder erwarten. Typisch Malediven eben, oft okay, manchmal etwas lieblos. Am besten gefallen haben mir Lemon Drop und Shallow Lagoon, wobei Lemon Drop für mich leicht vorne lag. Untergebracht ist man entweder in kleinen Hotels oder direkt in Dive Lodges, die eher an eine Pension erinnern. Wir waren bei Jerry’s Dive Lodge* untergebracht und sind auch mit Jerry’s Dive Club getaucht, was durch die kurzen Wege sehr entspannt war.
Anreise
Die Anreise nach Rasdhoo ist grundsätzlich unkompliziert, auch wenn es auf dem Papier mehrere Möglichkeiten gibt. Am sinnvollsten ist das Speedboot ab Hulhumalé Flughafen, das rund eine Stunde unterwegs ist und in der Regel zweimal täglich fährt, meist gegen 10:30 Uhr am Vormittag und gegen 16:00 Uhr am Nachmittag. Die Kosten liegen bei etwa 30 Euro pro Person und Strecke. Achtung, Freitags fährt es morgens schon um 09:30 Uhr.
🚤 Du kannst das Speedboot entweder direkt bei 12Go Asia* oder über deine Unterkunft buchen. Am Flughafen findest du dann einen hilfreichen Schalter, die dich zum Boot bringen. Wenn du Probleme mit Bootsfahren hast, unbedingt Reisetabletten nicht vergessen!

Alternativ gibt es eine Local Ferry, die deutlich günstiger ist und etwa vier Stunden benötigt. Sie fällt bei schlechtem Wetter jedoch schnell aus. Wir hatten unsere Reise extra so geplant, dass wir mindestens eine Strecke mit der Fähre fahren wollten, mussten am Ende aber doch, wegen Regen, auf das Speedboot ausweichen 🙁
Ein Wasserflugzeug ist theoretisch ebenfalls möglich, macht für Rasdhoo aber wirklich null Sinn, da man trotzdem noch mit dem Speedboot weiterfahren muss und die Kosten mit ca. 300 € / Flug unverhältnismäßig hoch sind.
Tauchen in Rasdhoo: Bedingungen & Besonderheiten
Die Tauchtage in Rasdhoo starten früh, aber entspannt. Das Tauchboot legt direkt am Hafen ab, der von unserer Unterkunft aus in etwa drei Minuten zu Fuß erreichbar war. Geplant war die Abfahrt meist gegen 7:45 Uhr, in der Praxis wurde es fast jeden Morgen eher 8:15 Uhr. Grund dafür war, dass einige chinesische Taucher regelmäßig später auftauchten, trotz angepasster Startzeiten. Das muss man gelassen sehen, wirklich stressig wurde es dadurch nicht. Nach dem ersten Tauchgang ging es zurück zum Hafen, kurz ins Café für etwa 30 Minuten und dann direkt weiter zum zweiten Tauchgang.

Nach den beiden Morgentauchgängen war eine längere Pause an Land, bevor man sich gegen 14:00 Uhr für den dritten Tauchgang getroffen hat. Die Bootsfahrten selbst waren angenehm kurz und ruhig. Madivaru liegt nur etwa fünf Minuten entfernt, selbst der am weitesten entfernte Spot, Manta Point, war in rund 15 Minuten erreicht. Das Boot war komfortabel, die Crew freundlich und aufmerksam, insgesamt sehr entspannt.

Taucherisch erwartet dich in Rasdhoo alles von wenig Strömung bis hin zu kräftigen Conditions. Ein Riffhaken ist hier definitiv sinnvoll und kam bei mehreren Tauchgängen zum Einsatz. Die Unterwasserwelt war abwechslungsreich mit vielen Haien, Rifffischen, Adlerrochen und Barrakudas. Die Sichtweiten waren durchgehend absolut in Ordnung, auch wenn sie je nach Spot und Tagesform leicht variiert haben.
Das Tauchniveau der Gruppen war sehr unterschiedlich. Einige Taucher, vor allem die Chinesen hatten sichtbar Probleme mit Tarierung und Riffabstand.
Die besten Tauchplätze rund um Rasdhoo
Rund um Rasdhoo liegen einige der bekanntesten und zugleich spannendsten Tauchplätze der zentralen Malediven. Die Spots sind schnell mit dem Boot erreichbar, unterscheiden sich aber stark in Charakter, Strömung und dem, was man unter Wasser erleben kann.
Madivaru Corner
Madivaru Corner ist für mich der beste Tauchplatz rund um Rasdhoo, allerdings nur unter einer Bedingung: Strömung ist Pflicht. Wenn hier ordentlich Wasser läuft, sammelt sich im Channel eine beeindruckende Menge an Leben. Teilweise ziehen bis zu 30 Graue Riffhaie / Weißspitzenriffhaie dicht am Corner vorbei. Die Haie kommen sehr nah, alles wirkt ruhig und kontrolliert. Dazu sieht man regelmäßig Adlerrochen, vor allem im sandigen Bereich. Ein echtes Highlight war ein sehr neugieriger Napoleon, der extrem nah kam und sich überhaupt nicht an den Tauchern gestört hat. In solchen Momenten hängt man sich ein und schaut einfach zu.
Ohne Strömung verliert Madivaru Corner jedoch deutlich an Spannung. Dann bleibt die große Hai-Action meist aus und der Fokus liegt eher auf Adlerrochen und Barrakudas im sandigen Bereich. Das ist immer noch sehenswert, kommt aber nicht an einen guten Strömungstauchgang heran. Genau diese Abhängigkeit von den Bedingungen macht Madivaru Corner aus: Bei Strömung absolut spektakulär, ohne Strömung eher durchschnittlich.

Tauchplatzbedingungen Madivaru Corner
- 📍 Art: Channel Dive
- 🌊 Strömung: häufig stark, abhängig von Gezeiten
- ⬇️ Tiefe: ca. 15–30 m
- 🤿 Empfohlene Zertifizierung: Advanced Open Water oder vergleichbar
- 🪝 Riffhaken: sehr empfehlenswert
- 🦈 Typische Sichtungen: Graue Riffhaie, Weißspitzenriffhaie, Adlerrochen, Barrakudas, Napoleon, Drückerfische
Rasdhoo Beyru
Rasdhoo Beyru ist ein sehr solider Tauchplatz mit viel Leben, auch wenn er für mich nicht ganz an Madivaru Corner herankommt. Es gibt regelmäßig Haie, vor allem Silberspitzenhaie, dazu viel Fisch. Besonders auffällig sind die großen streifigen Lippfische und immer wieder Napoleons, die ruhig durchs Riff ziehen. Insgesamt wirkt der Tauchgang weniger dramatisch, dafür konstant abwechslungsreich.
Spannend wird Rasdhoo Beyru durch die kleinen und besonderen Momente. Mehrere Muränen, Adlerrochen und sogar ein paarendes Oktopus-Paar haben den Spot für mich besonders gemacht. Genau diese Mischung aus Großfisch und ungewöhnlichen Beobachtungen sorgt dafür, dass Rasdhoo Beyru ein sehr lohnender Tauchplatz ist, auch wenn er nicht die gleiche Wow-Dichte wie Madivaru bei Strömung erreicht.
Tauchplatzbedingungen Rasdhoo Beyru
- 📍 Art: Außenriff / Drift Dive
- 🌊 Strömung: meist moderat, gut kontrollierbar
- ⬇️ Tiefe: ca. 12–30 m
- 🤿 Empfohlene Zertifizierung: Advanced Open Water Diver
- 🪝 Riffhaken: nicht zwingend nötig, je nach Bedingungen
- 🦈 Typische Sichtungen: Silberspitzenhaie, Napoleon, Adlerrochen, Muränen, Oktopusse, viele Rifffische
Manta Point
Manta Point war bei uns zunächst eher enttäuschend und hat seinem Namen erstmal keine Ehre gemacht. Beim eigentlichen Tauchgang hatten wir kein Glück mit Mantas, weshalb der Spot für uns eher ein (No) Manta Point war. Unter Wasser war es ohne die großen Rochen ziemlich ruhig und fast schon etwas langweilig, auch wenn es viel Fisch gab. Vor allem große Schwärme gelbe Snapper waren ständig präsent, aber eben ohne das erhoffte Highlight.

Das eigentliche Erlebnis kam dann völlig unerwartet nach dem Tauchgang. Wir waren bereits an der Oberfläche und mussten rund 15 Minuten auf das Boot warten, weil es uns zunächst nicht gefunden hat. Als es endlich näherkam, hörten wir plötzlich lautes Rufen vom Boot: „Manta, Manta, behind!“. Wir sind noch einmal kurz abgetaucht und tatsächlich zog direkt unter uns ein Manta vorbei.

Kein langer Tauchgang, kein perfektes Setup, aber ein absolut magischer Moment. Genau diese spontane Begegnung war für mich eines der besten Erlebnisse in Rasdhoo und hat den Spot im Nachhinein doch noch besonders gemacht.
Tauchplatzbedingungen Manta Point
- 📍 Spotname: Manta Point
- 🌊 Art: Riff-/Plankton-Spot mit potenziellen Manta-Sichtungen
- ⬇️ Tiefe: ca. 12 m
- 🤿 Empfohlene Zertifizierung: Open Water
- 🐋 Typische Sichtungen: Mantas (saisonabhängig, Glückssache), gelb gestreifte Schnapper, Adlerrochen
- 🌦️ Bedingungen: kann ruhig bis mäßig strömend sein
- 💡 Hinweis: Manta-Sichtungen sind möglich, aber nicht garantiert
Was dich in der Unterwasserwelt erwartet
Was in Rasdhoo fast immer liefert, ist Fisch ohne Ende. Wir haben auf nahezu jedem Tauchgang große Schwärme gesehen, darunter extrem viele Drückerfische mit blauen Schweifen, gelbe Snapper, Süßlippen und generell sehr viel Bewegung am Riff. Dazu kamen bei fast jedem Tauchgang Adlerrochen, regelmäßig Napoleons und insgesamt einfach eine sehr lebendige Unterwasserwelt, bei der man selten das Gefühl hat, dass „nichts los ist“.
Sehr häufig sind auch Haie. Bei uns waren es vor allem Weißspitzenriffhaie, Silberspitzenhaie und Graue Riffhaie, teilweise gleich mehrere Arten im selben Tauchgang. Dazu kamen immer wieder Muränen, Oktopusse und Barrakudas, teils auch in Schulen:

Mantas kann man in Rasdhoo definitiv sehen, auch wenn es Glückssache ist. Wir hatten selbst nur eine kurze Begegnung, andere Taucher hatten an denselben Tagen deutlich mehr Glück. Ähnlich sieht es mit Hammerhaien aus. Es gibt entsprechende Spots, die Sichtungen sind aber stark saisonal. Die besten Chancen bestehen meist in den frühen Morgenstunden, vor allem während der Nordost-Monsun-Phase von etwa Januar bis April. Wir selbst hatten kein Glück, aber eine Taucherin aus unserer Gruppe hat zusammen mit ihrem Guide gleich zwei Hammerhaie gesehen.
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Wenn dir die Hai-Sichtungen in Rasdhoo gefallen haben und du gezielt, planbar und extrem nah mit Tigerhaien tauchen willst, dann ist Fuvahmulah das nächste Level. Dort liegt der Fokus nicht auf klassischem Rifftauchen, sondern auf kontrollierten Tigerhai-Begegnungen. Hier findest du meinen Erfahrungsbericht zum Tauchen mit Tigerhaien in Fuvahmulah.
Mein Fazit zum Tauchen in Rasdhoo
Wir waren insgesamt vier Tauchtage in Rasdhoo und genau diese Mischung zeigt ziemlich gut, worum es hier geht. Zwei Tage waren richtig stark, mit guter Strömung und spektakulärer Action. Ein Tauchtag mit insgesamt drei Tauchgängen war dagegen eher durchschnittlich, weil kaum Strömung da war und die ganz großen Highlights gefehlt haben. Der vierte Tag lag irgendwo dazwischen und war solide, aber kein Ausreißer nach oben.
✅ Ideal für:
- Taucher mit Erfahrung und Spaß an Strömungstauchgängen
- Hai- und Großfisch-Fans, die keine Garantie, aber sehr gute Chancen wollen
- Taucher, die eine ruhige, lokale Insel statt Resort-Trubel suchen
❌ Eher nicht ideal für:
- Anfänger ohne Strömungserfahrung
- Taucher, die bei jedem Tauchgang ein Highlight erwarten
- Reisende, die Luxus, Komfort und feste Abläufe über echtes Tauchen stellen
Wenn die Bedingungen passen, gehört das Tauchen hier für mich zum Besten, was die Malediven zu bieten haben. Wenn nicht, kann es auch mal ruhiger werden. Rasdhoo ist damit kein Ziel für garantierte Highlights, sondern für Taucher, die Strömung mögen und wissen, worauf sie sich einlassen.




